Die Entdeckung des LSD

Albert Hoffmann

(Bild von Philip H. Bailey)

Der Chemiker Albert Hofmann suchte zum Ende der 1930er Jahre nach einem Kreislaufmittel. Nach einigen Fehlschlägen testete er im April 1943 eine LSD-Substanz an sich aus. Über einige hat Albert Hofmann mit dem Pilz Mutterkorn geforscht und verschiedene Substanzen in Versuchen synthetisiert. Das Lysergsäurediethylamid (LSD) hat in Tierversuchen eine hohe Unruhe ausgelöst, jedoch keine nutzbaren oder pharmakologisch interessanten Eigenschaften aufgezeigt. Der Chemiker brach daraufhin die weiteren Experimente ab, entschied sich allerdings später, das LSD noch einmal herzustellen. In den 60er und den 70er Jahren war das LSD eine bewusstseinserweiternde Droge in der Musik- und Kunstszene. Der Psychiater Peter Gasser verwendete die Droge bei der Behandlung der Patienten erfolgreich.

Albert Hoffmann

(Bild von Philip H. Bailey)

Die Pharmakologie von LSD

LSD gilt als eines der bedeutendsten bekannten Halluzinogene, welches schon ab einer Menge von 25 Mikrogramm einen veränderten Bewusstseinszustand hervorrufen kann. Lediglich ein geringer Teil kann über die Blut-Hirn-Schranke in das Gehirn gelangen, trotzdem ist die Wirkung hier exorbitant. Das LSD aktiviert unterschiedliche Serotonin-Rezeptoren im Hirnbereich. Es ist nicht genau geklärt, warum der Einfluss auf dieses serotonerge System zu Halluzinationen führen kann. Für jene halluzinogene Wirkung verantwortlich scheint jedoch der Rezeptor-Typ 2A zu sein, welcher im zentralen Nervensystem auf die Neuronen im Locus coeruleus in den Raphe-Kernen sowie auf Pyramidenzellen innerhalb des Neocortex existiert. Jene Areale sind mit fast jeder anderen Hirnregion verknüpft. Generell wird vermutet, dass diese hemmend auf die Sinneseindrücke wirken und damit das Gehirn vor einer sensorischen Überlastung bewahren.

Werden die hemmenden Nervenzellen nun vom LSD gehemmt, kommt es eventuell zu einer Überreizung – mit den jeweiligen Folgen. Das LSD bindet zugleich an die Dopamin-Rezeptoren. Jedoch sind die Folgen unbekannt. Es erzeugt allerdings keine starke Dopamin-Freisetzung und deshalb auch keine psychische oder physische Sucht sowie keine Euphorie. Das LSD wird grundsätzlich als Tartratsalz hergestellt, das geruchlos, wasserlöslich und farblos ist. Die häufigste frei im Handel erhältliche Dosierungsform sind die sogenannten „Tickets“ oder „Blotter”. Dies sind Bögen aus saugfähigen Papier, welche mit charakteristischen Mustern bedruckt und speziell perforiert wurden, dass diese in einzelne Quadrate (7 Millimeter) mit einer Einzeldosis jeweils zerteilt werden können. Dabei enthält jeder Papierbogen normalerweise 100 oder mehr Dosen. Generell ist das LSD weniger häufig als kleine Tabletten Mikrokügelchen, „Mikros“) mit einem Durchmesser von 2 bis 3 Millimeter, dünnen Gelatinestückchen („Fensterscheiben“) oder in Form von Kapseln erhältlich. LSD-Lösungen in Alkohol oder in Wasser finden sich ebenfalls. Das LSD ist gelöst lichtempfindlich, in speziellen Einheiten jedoch stabiler.

Das LSD wurde erstmals im Jahre 1938 durch Albert Hoffman synthetisiert, als er für das Unternehmen Sandoz in Basel tätig gewesen war. Nur einige Jahre später, bei einer weiteren Untersuchung des Stoffes, hatte Hoffman versehentlich eine geringe Menge verschluckt und beschrieb seinen ersten „Trip“. Später, in den 1950er und 1960er Jahren prüfte das Unternehmen Sandoz die Droge auf die therapeutische Nutzbarkeit und brachte sie unter dem Namen Delysid heraus. Dieses wurde zur Erforschung der Ursachen von Geisteserkrankungen verwendet. Der Konsum in der Freizeit kam in den 1960er Jahren auf und wurde mit der „psychedelischen“ Bewegung in Verbindung gebracht.

Zuerst treten körperliche Wirkungen (zum Beispiel erweiterte Pupillen, Hypertonie und eine gelegentliche erhöhte Körpertemperatur) auf. Eine geänderte Sinneswahrnehmung ist das wichtigste Merkmal beim Konsum des LSDs. Die Sehstörungen werden geöffneten oder mit geschlossenen Augen wahrgenommen und können in geometrischen Gestalten oder Formen in Mustern bestehen. Somit werden Blitze mit einer intensiven Farbe erkannt, und selbst stabile Gegenstände können in ihrer Bewegung und als auflösend von den Personen erlebt werden. Zur Kopplung verschiedener Synästhesien (Sinnesreize) wie „Hören in Farbe“ kann es ebenfalls oft kommen, wenn Geräusche wie Musik oder Stimmen die Wahrnehmung verschiedener Formen und Farben stimulieren. Zugleich kann das Zeitempfinden verzögert sein. Der Wirkmechanismus des LSD ist heute noch nicht genau geklärt. Es wird davon ausgegangen, dass der Wirkstoff auf das Serotoninsystem wirkt, indem dieser an den 5-Hydroxytryptamin-Subtyp-2-Rezeptor bindet und ihn stimuliert.

Therapie mit LSD

LSD Blotter

Der Arbeitgeber Hofmanns stellte aus LSD-25 das Arzneimittel Delysid her, das im Jahre 1949 zur Therapie im Bereich der Psychotherapie erstmals auf den Markt kam. Das LSD hat dabei psychisch Kranke geheilt, die zuvor blockiert waren. Diese hätten danach behandelt werden können. Die Mediziner setzten LSD in der Therapie von Alkoholikern als Stimmungsaufheller, bei Schizophreniekranken oder bei Traumata ein. Depressive oder beispielsweise an einer Alkoholsucht Erkrankte wurden in einer psychedelisch gestützten Therapiestudie meistens in mehreren Schritten behandelt. In mehreren betreuten Sitzungen bekommt der Patient eine mittlere oder eine höhere Dosis des psychedelischen Stoffes. Im Anschluss folgen weitere Sitzungen, in welchen der Patient das Erlebte zusammen mit dem Therapeuten aufarbeiten kann.

LSD Blotter

Microdosing

Das Microdosing ist dabei die Einnahme besonders kleinen Menge an Psychedelika. Statt Halluzinationen oder Trips sollen hierbei positive Nebenwirkungen erreicht werden. Einige Anwender benutzen das Microdosing, um Depressionen oder Ängste zu lindern oder die Kreativität und die Wahrnehmung zu steigern. Es fehlt dazu jedoch an wissenschaftlichen Forschungsergebnissen. Viele Menschen nehmen dafür an einem Tag das Medikament ein und setzen danach zwei Tage aus, um keinerlei Toleranz zu entwickeln. Die psychedelischen Substanzen spielen jedoch nicht nur als Hirndoping eine wichtige Rolle. Mehr und mehr Menschen bekämpfen mit diesen kleinen Dosen an LSD Stimmungsschwankungen und Depressionen. Wissenschaftler versuchen zu ergründen, inwieweit sich diese verbotene Droge als rechtmäßiges Medikament eignen kann.

Ayelet Waldman ist eine solcher Frauen, die alles können. Diese studierte gemeinsam mit dem späteren und mittlerweile Ex-US-Präsidenten Barack Obama Jura und hat sich eine Karriere als Juristin aufgebaut. Die bekam vier Kinder und wurde eine bekannte Autorin. Was ihre Familie mitbekam war, dass sie jahrzehntelang mit starken Stimmungsschwankungen kämpfte. Das Microdosing ist damit die Einnahme von besonders kleinen Mengen psychedelischer Medikamente - zum Beispiel Psilocybin-Pilze oder LSD (Lysergsäurediethylamid) - in einem halb-regulären Plan. Die Anwender wollen hierdurch die Vorteile wie eine erhöhte Kreativität und Wahrnehmung erzielen oder Depressionen und Ängste zu lindern. Nur wenige Studien haben sich bislang wissenschaftlich mit dem Microdosing bei Menschen beschäftigt, sodass es noch keine beschlossenen Belege für jene Effekte der Methode gibt.